Quelle: Oliver Schillo
Besser geht's mit.bestimmt! 2026
| Veranstalter: | Hans-Böckler-Stiftung, IGBCE |
| Ort: | Brüssel, Vertretung des Landes Hessen bei der EU |
| vom: | 21.04.2026, 11:30 Uhr |
| bis: | 22.04.2026, 13:00 Uhr |
Die von der Hans-Böckler-Stiftung und der IGBCE organisierte Konferenz „Besser geht’s mitbestimmt!“ am 21.–22. April 2026 in Brüssel stand unter dem Leitmotiv „Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit: Sozialer Dialog im Binnenmarkt und Solidarität entlang neuer Wertschöpfungsketten“.
Zum Auftakt wurden nach der Begrüßung und einem einführenden Überblick von Maxi Leuchters zu aktuellen europäischen Entwicklungen in mehreren Workshops zentrale Grundlagen gelegt. Im Fokus standen insbesondere der Aufbau von Kompetenzen in Europäischen Betriebsräten (EBR), die Anforderungen der neuen EBR-Richtlinie sowie aktuelle Nachhaltigkeitsthemen.
Im darauffolgenden Panel zu Arbeitnehmerrechten und Mitbestimmung in Zeiten von Umstrukturierung diskutierten Vertreter*innen aus Politik und Praxis die Herausforderungen für den sozialen Dialog unter wachsendem Wettbewerbsdruck und Deregulierungszielen. Dennis Radtke, Mitglied im Europäischen Parlament, brachte die politische Perspektive ein. Ein zentrales Signal aus der Diskussion war die klare Forderung nach einer schnellen und richtlinienkonformen Umsetzung der neuen EBR-Richtlinie durch die Bundesregierung. Gleichzeitig wurde mit dem sogenannten „28. Regime“ eine Initiative der EU-Kommission zur Einführung einer neuen Gesellschaftsrechtform thematisiert, die potenziell erhebliche Auswirkungen auf bestehende Mitbestimmungsstrukturen haben könnte und entsprechend kritisch eingeordnet wurde.
Sebastian Sick, Referatsleiter am I.M.U., verdeutlichte die Risiken für die Mitbestimmung im Zuge aktueller regulatorischer Entwicklungen und plädierte mit Nachdruck für starke Schutzvorschriften zugunsten von Beschäftigten und Mitbestimmungsrechten. Ergänzend schilderte Sandra Monja Scherer, Vorsitzende des Euroforums bei Merck, anschaulich Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis und unterstrich die Notwendigkeit, die EBR-Richtlinie wirksam umzusetzen, um Beteiligungsrechte tatsächlich zur Geltung zu bringen. Magali Schleifer, Fachsekretärin bei der IGBCE, betonte ebenfalls den Bedarf rechtlicher Klarstellung zur Umsetzung der Richtlinie. Die diesbezüglichen Empfehlungen der EU-Kommission aus drei Expertengruppen mit Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Vertreter*innen der zuständigen Länderministerien werden dringend erwartet. Insgesamt wurde deutlich, dass frühzeitige Information, Anhörung und enge Abstimmung zwischen Arbeitnehmervertretungen und Unternehmensleitungen entscheidend sind, um tragfähige Lösungen in Transformationsprozessen zu erreichen.
Der zweite Veranstaltungstag begann mit einer Diskussion über Standortperspektiven innerhalb Europas und die Rolle der Mitbestimmung. Matthias Krebs, Vorsitzender des Europa-Forums bei Evonik Industries AG, zeigte auf, wie strategische Gespräche mit dem Management über einzelne Standorte geführt werden und welche Bedeutung strukturierte Dialogprozesse für Standortentscheidungen haben. Ergänzt wurde dies u. a. durch Sophia Reisecker, Leiterin Europa & Internationales bei der Gewerkschaft GPA
(AT), und Thomas Wobben, Direktor Legislative Arbeit beim Ausschuss der Regionen, die die Bedeutung einer engen Verzahnung zwischen europäischen und lokalen Arbeitnehmervertretungen hervorhoben.
Ein anschließender Impuls von Max Uebe, stellv. Vorsitzender des Kabinetts von EU-Kommissarin Roxana Mînzatu, gab Einblick in die strategische Ausrichtung der Europäischen Kommission zum sozialen Dialog und zur Zukunft der Arbeit und unterstrich die Bedeutung eines stabilen europäischen Rahmens.
In der abschließenden Diskussion zur globalen Solidarität entlang neuer Wertschöpfungsketten wurde die Perspektive über Europa hinaus erweitert. Oliver Röpke, Director beim Bureau for Workers’ Activities bei der International Labour Organization (ILO), verwies auf die globalen Herausforderungen und betonte die zentrale Rolle des sozialen Dialogs zur Gestaltung von Transformation. Vor dem Hintergrund der Zahlen der International Labour Organization wurde deutlich, dass Arbeitnehmerrechte stärker entlang globaler Lieferketten verankert werden müssen.
André van Broich, Vorsitzender des Bayer Europa-Forums, ergänzte dies mit Einblicken in die internationale Zusammenarbeit im Bayer-Konzern und verdeutlichte, wie transnationale Arbeitnehmervertretung praktisch organisiert wird. Gemeinsam mit weiteren Diskutierenden wurde die Bedeutung starker Netzwerke – unter anderem mit IndustriAll Europe und IndustriAll Global Union – für die Durchsetzung von Arbeits-, Gesundheits- und Mitbestimmungsrechten hervorgehoben.
Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich, dass gut verankerte Mitbestimmungsstrukturen, ein funktionierender sozialer Dialog und die enge transnationale Vernetzung der Arbeitnehmervertretungen entscheidend sind, um wirtschaftliche Transformation sozial ausgewogen und nachhaltig zu gestalten. Anlässlich aktueller Diskussionen rund um das 28. Regime sowie der Umsetzung der EBR-Richtlinie ist die Stärkung der Mitbestimmung auf allen Ebenen besonders relevant.