Forschungsprojekt: Stress und Abschalten als Herausforderungen für Betriebsräte

Projektziel

Das Projekt untersucht, wie Betriebsratsmitglieder mit den Belastungen ihrer Tätigkeit und dem Stresserleben umgehen. Im Fokus stehen dabei das subjektive Stresserleben sowie mögliche Ressourcen zur Stressbewältigung – wie das gedankliche Abschalten nach der Arbeit, die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit und kontextuelle Rahmenbedingungen.

Projektbeschreibung

Kontext

Betriebsratsmitglieder übernehmen zentrale Aufgaben in der betrieblichen Interessenvertretung und sind dabei teils erheblichen Belastungen ausgesetzt. In den letzten Jahren hat die Komplexität und Intensität ihrer Arbeit zugenommen. Zugleich mangelt es an systematischer Forschung zum Wohlbefinden und zum Stresserleben von Betriebsräten. Angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung der Mitbestimmung ist es von Relevanz, zu verstehen, welche Belastungen auf Betriebsratsmitglieder wirken, wie diese individuell verarbeitet werden und welche Ressourcen zur Stressbewältigung beitragen können. Das Projekt zielt darauf ab, Beanspruchung und deren Bewältigung unter Betriebsratsmitgliedern differenziert zu erfassen und Ansatzpunkte für Prävention und Unterstützung abzuleiten.

Fragestellung

Das Projekt geht der übergeordneten Frage nach, welche spezifischen Belastungen Betriebsratsmitglieder erleben und wie sich diese auf das individuelle Stresserleben auswirken. Im Zentrum stehen dabei folgende forschungsleitenden Hypothesen:

- Die Wahrnehmung der Betriebsratsarbeit als sinnstiftend wirkt sich positiv auf den Umgang mit Belastungen aus.

- Das gedankliche Abschalten nach der Arbeit trägt zur Stressbewältigung von Betriebsratsmitgliedern bei.

Ziel ist es, zentrale Belastungsfaktoren und individuelle sowie organisationale Ressourcen zu identifizieren, die zur Förderung der Gesundheit von Betriebsratsmitgliedern beitragen können.

Untersuchungsmethoden

Das Projekt verwendet ein mehrstufiges Mixed-Methods-Design. In einem ersten Schritt werden leitfadengestützte qualitative Interviews mit Betriebsratsmitgliedern geführt und mittels Grounded Theory ausgewertet. Die Interviews beschäftigen sich mit der Frage, welche Belastungen Betriebsratsmitglieder erleben und wie das Stresserleben ist. Hierbei soll auch betrachtet werden, ob beispielsweise die Wahrnehmung der eigenen Tätigkeit als sinnvoll das Stresserleben reduzieren kann. Darauf aufbauend folgen zwei quantitative

Erhebungen: Eine längsschnittlich angelegte Befragung untersucht Zusammenhänge zwischen Belastungen, Stresserleben, Sinnhaftigkeit, Abschalten und weiteren relevanten Faktoren. Ergänzend wird eine Tagebuchstudie durchgeführt, die dynamische Prozesse zwischen arbeitsbezogenen Belastungen, Erholung und Wohlbefinden im Arbeits- und Privatleben erfasst. Abschließend werden zentrale Ergebnisse in einem Workshop mit Teilnehmenden der Studie diskutiert und weiterentwickelt.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Cornelius J. König
Universität des Saarlandes
A1.3

Prof. Dr. Sabine Sonnentag
Universität Mannheim Fakultät für Sozial­wissenschaften
Lehr­stuhl f. Arbeits- u Organisations­psychologie

Dr. Denise Vesper
Universität des Saarlandes
A1.3

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung