Forschungsprojekt: Mentalitäten von Influencer:innen
Projektziel
Das Forschungsprojekt untersucht die Mentalitäten und gesellschaftspolitischen Orientierungen von jungen professionellen Influencer:innen.
Das Forschungsprojekt untersucht die Mentalitäten und gesellschaftspolitischen Orientierungen von jungen professionellen Influencer:innen.
Influencer:innen präsentieren sich oftmals als jung, modern und urban – sie scheinen die Verkörperung eines weltoffenen Lebensstils zu sein. Viele junge Menschen halten das Geldverdienen mit dem Erstellen von Online-Content für eine anzustrebende ökonomische Tätigkeit. Arbeitssoziologische Debatten verweisen jedoch insbesondere auf die Risiken und Herausforderungen, welche für die oftmals Solo-Selbstständigen mit der Arbeit auf digitalen Plattformen einhergehen. Wie sich diese Arbeits- und Lebensweise auf die Mentalitäten und die gesellschaftspolitische Verankerung der oftmals jungen Menschen auswirkt, ist gänzlich unerforscht.
Die Arbeit von jungen Influencer:innen ist durch ein spezifisches Spannungsverhältnis charakterisiert. Es verschränkt sich die Erfahrung einer jungen Biografie, welche insbesondere durch die Sozialisation und die Lebensweise der Elterngeneration geprägt ist, mit dem Erleben der alltäglichen Arbeitsweise einer ökonomisch prekären, hochgradig digitalisierten und entgrenzten Tätigkeit. Leitend ist daher die Frage, welche Mentalitäten sich bei jungen Influencer:innen bis 30 Jahre herausbilden.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, durch die Analyse der Mentalitäten der Influencer:innen den Blick auf die politischen und sozialen Orientierungen der Befragten zu weiten. Die Erwerbsarbeit bettet Personen in gesellschaftliche Zusammenhänge ein und bietet einen Ankerpunkt für die Orientierung in komplexen gesellschafts-politischen Fragestellungen. Es stellt sich daher die forschungsleitende Unterfrage, wie Influencer:innen gesellschaftlich und politisch eingebettet sind und sich orientieren.
Es wird ein Methodenmix aus leitfadengestützten Interviews mit Expert:innen und Influencer:innen und der Kontextualisierung durch Beobachtungsprotokolle genutzt. Die Expert:innengespräche sind explorativer Natur. Um die Muster der Creator:innenmentalitäten strukturiert herausarbeiten, müssen die mentalitätsbildenden und die Befragten miteinander verbindenden Dimensionen (z. B. Arbeitsweise, milieuspezifische Ziele und Wünsche) dargestellt werden. Für die Auswertung aller Interviews bietet sich daher ein strukturierendes und regelgeleitetes Auswertungsverfahren an.
Das Projekt knüpft an das Vorgehen des von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projektes „Mentalitäten des Umbruchs“ an. Dies ermöglicht die breite Einordnung der Ergebnisse und zukünftig eine vergleichende sekundäranalytische Auswertung.
Insofern möglich sollen Interviews im Arbeits- und Sozialraum geführt werden. Um die Eindrücke festzuhalten, werden zur Kontextualisierung Beobachtungsprotokolle angefertigt.
Lukas Underwood
Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. an der Georg-August-Universität