Projektbeschreibung
Kontext
Die deutsche Automobilindustrie steht unter hohem Transformationsdruck: Rohstoffabhängigkeiten, fragile Lieferketten, steigende Krisenanfälligkeit und wachsender Standortdruck belasten die industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung. Gleichzeitig werden Altfahrzeuge bislang nicht in geschlossenen, werterhaltenden Kreisläufen zu neuen Fahrzeugen verarbeitet. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt den Standort Bielefeld als einen von 20 auf Aufarbeitung spezialisierten Standorten der ZF Friedrichshafen AG als Praxisbeispiel eines etablierten Remanufacturing- und Rückführungssystems in der Automobilindustrie.
Ein besonderer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den Voraussetzungen, Hemmnissen und Hebeln, die sich hier identifizieren lassen. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, inwiefern eine gezielte gewerkschaftliche und betriebliche Forderung nach Remanufacturing die Beschäftigung und die Zukunftsfähigkeit eines Standortes bzw. der Branche sichern kann.
Fragestellung
Unter welchen technischen, organisatorischen und arbeitsbezogenen Voraussetzungen kann Auto-zu-Auto-Recycling in der Automobilindustrie umgesetzt werden?
Welche Auswirkungen hat dies auf Beschäftigung, Qualifikationen, Arbeitsorganisation und Mitbestimmung, und welche übertragbaren Ansatzpunkte ergeben sich daraus für Betriebsräte, Gewerkschaften und weitere Betriebe?
Untersuchungsmethoden
Das Forschungsvorhaben folgt einem qualitativen, anwendungsorientierten Ansatz. Es kombiniert Dokumenten- und Prozessanalysen mit leitfadengestützten Interviews bzw. strukturierten Expertengesprächen mit zentralen Akteuren aus der Geschäftsführung, dem Betriebsrat, den Fachbereichen und der IG Metall. Ergänzend werden Diskussionsformate durchgeführt, um vereinzelt betriebliche, gewerkschaftliche und fachliche Perspektiven zusammenzuführen.
Untersucht werden insbesondere der Transformationsdruck, Wertschöpfungs- und Rückführungsprozesse sowie deren Auswirkungen auf die Beschäftigung, Qualifikation und Arbeitsorganisation. Die Ergebnisse werden qualitativ ausgewertet mit Fokus auf Erfolgsbedingungen, Barrieren, Übertragbarkeit und mitbestimmungsrelevante Handlungsfelder. Darauf aufbauend werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis und den Transfer entwickelt.