Forschungsprojekt: Der Bedarf an Pflegekräften auf deutschen Intensivstationen.

Eine Modellrechnung auf Grundlage der amtlichen Statistik.

Projektziel

Im Pflegedienst der Intensivstationen herrscht in weiten Bereichen chronische Arbeitsüberüberlastung aufgrund personeller Unterbesetzung. Mit der vorliegenden Studie wird erstmals eine Schätzung zum Ausmaß der gegenwärtigen Unterbesetzung vorgelegt.

Veröffentlichungen

Ruhwedel, Katharina und Stephan Simon, 2023. Was bringt das Weiterbildungsgesetz?. Sozialrechtliche Perspektiven auf neue arbeitsmarktpolitische Förderinstrumente für die Transformation der Arbeitswelt, Working Paper Forschungsförderung 310, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 50 Seiten.

Simon, Michael, 2022. Pflegenotstand auf Intensivstationen. Berechnungen zum Ausmaß der Unterbesetzung im Pflegedienst der Intensivstationen deutscher Krankenhäuser, Study 474, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 126 Seiten.

Weitere Informationen

AUF DEUTSCHEN INTENSIVSTATIONEN FEHLEN BIS ZU 50.000 PFLEGEKRÄFTE
https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-auf-deutschen-intensivstationen-fehlen-pflegekrafte-41559.htm

Projektbeschreibung

Kontext

Seit über zehn Jahren gibt es Berichte und eine Fachdiskussion über das Problem einer personellen Unterbesetzung und chronischen Arbeitsüberlastung in der Intensivpflege. Zwar besteht in der Fachdiskussion seit langem weitgehend Übereinstimmung darüber, dass es zu wenig Intensivpflegepersonal auf den Intensivstationen gibt, das Ausmaß der Unterbesetzung ist bisher jedoch unbekannt.

Die Frage nach dem Ausmaß des Personalfehlbestandes ist von erheblicher Relevanz. Bisher wird vielfach davon ausgegangen, dass es sich lediglich um 3.000 bis 4.000 unbesetzte Stellen handelt. Dies entspräche nur etwas mehr als 10 Prozent des Personalbestandes. Sollte die Unterbesetzung jedoch erheblich höher sein, wofür mehrere Pflegekräftebefragungen sprechen, würde dies politisches Handeln erfordern. Das Problem wäre nicht mehr allein durch Personalgewinnungsstrategien einzelner Krankenhäuser lösbar.

Fragestellung

Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie steht die Frage ob es bundesweit eine personelle Unterbesetzung im Pflegedienst der Intensivstationen gibt und – wenn ja – wie hoch das Ausmaß ist.

Untersuchungsmethoden

In der vorliegenden Studie wird Unterbesetzung verstanden als Lücke zwischen dem Personalbedarf (Soll-Personalbestand) und dem tatsächlich vorhandenen Personalbestand (Ist-Personalbestand).

Um festzustellen, ob es eine solche Lücke gibt und wie hoch sie gegebenenfalls ist, wurde zunächst der bundesweite Bedarf an Pflegepersonal auf Intensivstationen errechnet. Für die Berechnung wurden zwei zentrale Orientierungsgrößen zugrunde gelegt: die Anforderungen der seit 2019 geltenden Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) des Bundes und die Empfehlungen der Dachorganisation intensivmedizinischer Fachgesellschaften (DIVI).

Die Berechnung erfolgte mittels Leistungseinheitsrechnung, einer anerkannten und seit Jahrzehnten in Krankenhäusern angewendeten Methodik der Personalbedarfsermittlung. Als Leistungseinheit wurde das durchschnittlich belegte Bett verwendet. Alternativ dazu wurde der Personalbedarf auch für die Zahl der vorhandenen Intensivbettenplätze berechnet.

Darstellung der Ergebnisse

Die Berechnungen führen zu folgenden Ergebnissen:

Um die Anforderungen der geltenden Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) für die Versorgung der gegenwärtig durchschnittlich 21.000 belegten Betten auf Intensivstationen einhalten zu können, wären insgesamt ca. 51.000 Vollkräfte erforderlich. Tatsächlich vorhanden sind gegenwärtig nur ca. 28.000 Vollkräfte. Der Personalbestand entspricht somit nur etwas mehr als der Hälfte des Personalbedarfs gemäß PpUGV. Um die Anforderungen der PpUGV erfüllen zu können, müsste der gegenwärtige Personalbestand folglich fast verdoppelt werden.

Um die anspruchsvolleren Empfehlungen der DIVI bei der Versorgung von 21.000 durchschnittlich belegten Betten befolgen zu können, wären insgesamt ca. 78.000 Vollkräfte erforderlich. Der gegenwärtige Personalbestand entspricht somit nur etwas mehr als einem Drittel dessen, was die DIVI empfiehlt. Um die Empfehlungen der DIVI einhalten zu können, müsste der gegenwärtige Personalbestand fast verdreifacht werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Simon

Kontakt

Dr. Eike Windscheid-Profeta
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
eike-windscheid@boeckler.de

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